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Unsere verrückten Familien

Sensibilisierungsprogramm zu mentaler Gesundheit in der Grundschule

Verrückt na und

Psychische Erkrankungen kommen in den besten Familien vor! Studien belegen, dass Familien mit einem psychisch kranken Elternteil eine Risikogruppe sind - hier insbesondere die Kinder. Versorgung und Prävention sind noch immer unzureichend entwickelt und ausgebaut. Fachleute schätzen, dass mehr als drei Millionen Kinder mit einem (zeitweise) psychisch erkrankten Elternteil zusammenleben und damit fast jedes vierte Kind betroffen ist. Bei 2,65 Millionen Kindern davon haben die Eltern die Diagnose Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit. Schätzungsweise 6,6 Millionen Kinder leben bei einem Elternteil mit riskantem Alkoholkonsum. Rund 60.000 Kinder haben nach Schätzungen einen opiatabhängigen Elternteil und leben teilweise mit diesem zusammen. Die Folgen für diese Kinder können schwerwiegend sein: Störungen im emotionalen und kognitiven Bereich, Parentifizierung, Scham- und Schuldgefühle sowie ein erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie später selbst psychisch erkranken, ist um ein Drei- bis Vierfaches erhöht.  

 

Alle diese Kinder werden oder gehen bereits zur Schule. Das heißt, in jeder Klasse sind zwei bis acht Kinder, die ein Elternteil haben, das an Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder anderen psychischen Krankheiten leidet (Achtung: Komorbiditäten). Ein wahrscheinlich großer Teil dieser Kinder zählt zu den Young Carers. Die meisten Kinder fühlen sich mit ihrer Verunsicherung allein gelassen. Aus Scham erzählen sie niemanden von ihrer Situation, häufig suchen sie die Schuld an der elterlichen Erkrankung bzw. familiären Situation bei sich. Kinder und Eltern können kaum aus eigener Kraft ihre Lebenslagen verbessern. Deshalb ist es wichtig, darauf zu schauen, welche Personen und Akteure sich in ihrem Umfeld befinden und unterstützen können. Ein Akteur und eine zentrale Ressource zur Bewältigung, Entlastung und Stressreduktion besonders für diese Kinder ist die Schule. 

 

Die Grundschule stellt das optimale Setting dar, um die betroffenen Kinder frühzeitig zu erreichen, sie über psychische Gesundheit zu informieren und aufzuklären, sie zu unterstützen und bei Bedarf in das kommunale Hilfesystem zu lotsen. Durch das von Irrsinnig Menschlich e. V. entwickelte Schulprogramm „Verrückt? Na und!“ im Setting Primarschule sollen Kinder befähigt werden, Problemlagen innerhalb der Familie zu erkennen und zu kommunizieren und aktiv Hilfe zu suchen. Ziel ist es, die Kinder zu entlasten und zu unterstützen, um Schulerfolg zu sichern und Bildungsabbrüche vorzubeugen. Lehr- und Fachkräfte lernen, Herausforderungen im psychischen und familiären Bereich zu erkennen, Schüler:innen entsprechend ihrer Möglichkeiten im Schulalltag zu unterstützen und/oder sie bei Bedarf in das kommunale Hilfesystem zu vermitteln.

 

Implementierung: Während der zunächst einjährigen Vorförderung werden die Entwicklung des Schulprogramms „Verrückt? Na und!“ für das Setting Grundschule, die Pilotierung, die wissenschaftliche Begleitung und bei positiver Bewertung die Ausarbeitung eines Wirkungs- und Finanzplans für ein bundesweites Transfervorhaben umgesetzt.

„Ungesagtes wiegt schwer“, so Hape Kerkeling, Deutschlands beliebtester Komiker und Kind einer psychisch erkrankten Mutter, „führt zu Tabus und Schuldgefühlen. Das Schweigen können nur wir Erwachsene brechen. Damit Kinder psychisch kranker Eltern spüren, dass sie nicht alleine sind.“

Kooperationspartner
Irrsinnig Menschlich e.V.
Förderzeitraum
seit 2021
Förderziele
Entwicklung und Pilotierung des Programms "Verrückt? Na und!" für das Setting Grundschule, Ausarbeitung eines bundesweiten Transferkonzeptes
Einsatz von Fördermittel
Personal- und Sachkosten für Programmentwicklung und -pilotierung und Ausarbeitung eines Transferkonzeptes

Ihre Ansprechpartnerin in der Stiftung

Kristina Bohnstedt

Kristina Bohnstedt

Projektmanagerin und Prokuristin